Jennifer Möbius

„Man kann Farben sehen lernen“.

„In der Reproduktion ist erst einmal ein gemeinsames Verständnis mit unseren Kunden wichtig. Manche wollen „das einfach mal einscannen“, aber dann finden wir gemeinsam heraus, dass das Spezielle die druckoptimierten Daten sind, die sie benötigen oder ein ganz bestimmtes digitales Format, eine Farbdarstellung. Wir helfen ihnen, sich über die benötigte Auflösung klar zu werden und suchen bei größeren Objekten nach einer günstigen Transportmöglichkeit zu uns nach Hannover. Wenn die Kunden der Produktionsprozess interessiert, können sie auch zu uns kommen und bei jedem einzelnen Schritt dabei sein – und uns bei sehr sensiblen Projekten bis hin zum Löschen der Serverdaten über die Schulter gucken.

Unser Scanprozess liefert irrsinnig gutes Ausgangsmaterial. Aber vor allem, wenn ein Motiv auf verschiedenen Untergründen gedruckt werden soll, kommt Farbmanagement ins Spiel: Wir haben diesen Multispektralscanner, was der macht, nennen wir „digitalen Fingerabdruck“. Er schickt einen Lichtstrahl durch 16 verschiedene Farbfilter auf das Objekt. Die Wellenlängen, die dann zurückkommen, werden gegeneinander verrechnet. Da bekommen wir ein absolut farbechtes digitales Urmuster – alle farblichen und helligkeitsbezogenen Eigenschaften können nach definierten Skalen bis auf zehn Stellen nach dem Komma berechnet und dargestellt werden.

Man kann Farben sehen lernen – wobei Leute, die das richtig gut können, auch ihr Bauchgefühl dazu nehmen. Wenn die meisten Anderen eigentlich schon zwei gleiche Farben sehen, dann ist es für mich leichter, vielleicht doch noch einen minimalen Unterschied beim Rot-Anteil wahrzunehmen. Wir haben im Team unter augenärztlichen Aufsicht entsprechende Sehtests gemacht, um herauszufinden, wie wir intern vorgehen müssen, wenn wir die Qualität unserer Daten beurteilen wollen. Mit diesen gepunkteten Kreisen haben wir angefangen, in denen man Ziffern erkennen soll; danach haben wir sogar noch ein „Oculus Heidelberger Anomalskop“ hinzugezogen. Dabei schaut man auf eine orangene Fläche Fläche und versucht zu bestimmen, ob die obere oder die untere Hälfte mehr Rotfärbung besitzt. Da habe ich ausgesprochen gut abgeschnitten, deswegen bin ich die letzte Instanz bei den Abnahmen.

Wir sind bei der Farbe von unseren Scans so präzise, dass sie auch regelmäßig als Grundlage für die Erstellung von Farbmustern verwendet werden.“

Jennifer Möbius